Namibia zwischen Lagerfeuer und Luxus - Teil 1 - Der Beginn unseres Abenteuers

Namibia – das Land, das uns einfach nicht loslässt, hatte uns wieder zu sich gerufen. Dieses Mal planten wir eine Reise bei der wir teilweise auf Campsites, teils in Lodges untergebracht waren und wir erkundeten zum ersten Mal intensiv den Caprivizipfel. Eine wunderschöne Region, die wir mit Sicherheit noch mehr als einmal besuchen werden!

 

 

 

Bei unseren letzten Abenteuern waren wir mit einem Bushcamper von Avis Safari Rental auf Tour. Allerdings gab es beim ersten Bushcamper ein Motorenproblem und das Austauschauto bekam Probleme mit der Batterie. Wer braucht schon einen funktionierenden Kühlschrank in der Wüsten-Hitze? Tja, wir taten es! Daher entschieden wir uns diesmal umzusatteln und einen anderen Vermieter auszuprobieren.


Wie schon erwähnt, setzten wir dieses Jahr auf eine Mischung aus Abenteuer und Komfort: ein wenig Campen, ein wenig Luxus in Lodges. Der etwas gehobenere Bushcamper musste diesmal aus Kostengründen einem anderen Camper mit Dachzelt weichen. Unsere Wahl fiel auf Bushlore, ein Unternehmen, das bei meiner Schwester und meinem Schwager in den letzten Jahren stets für zufriedene Gesichter sorgte. Und schwupps, buchten wir im Mai, ziemlich spontan, unser Fahrzeug für den Juni und ergatterten dazu noch günstige Flüge mit Eurowings Discover.


Nur noch wenige Wochen bis zu unserer Reise ließ die Vorfreude schnell ins Unermessliche steigen. Statt des Südens wollten wir uns dieses Mal zunächst auf die Blutkuppe und Spitzkoppe konzentrieren, den Etosha-Nationalpark teilweise durchqueren und den uns bis dato unbekannten Caprivi-Streifen erkunden. Und wie immer planten und buchten wir die gesamte Reiseroute komplett selbst. Und so sah sie aus:


04.06. Flug nach Windhoek
05.06. bis 06.06. River Crossing Lodge
06.06. bis 08.06. Blutkuppe Campsite
08.06. bis 10.06. Spitzkoppe Campsite
10.06. bis 11.06. Etosha Okaukuejo Campsite
11.06. bis 13.06. Etosha Halali Campsite
13.06. bis 14.06. Onguma Leadwood Campsite
14.06. bis 16.06. Riverdance Lodge
16.06. bis 19.06. Chobe River Camp
19.06. bis 21.06. Zambezi Mubala Lodge
21.06. bis 23.06. Namushasha River Lodge
23.06. bis 25.06. Ndovhu Safari Lodge
25.06. bis 26.06. Hakusembe River Lodge
26.06. bis 27.06. Waterberg Plateau Camp (Frans Indongo Lodge)
27.06. bis 28.06. Immanuel Wilderness Lodge
28.06. Flug nach Frankfurt - Ankunft am 29.06.

 


5.6. - Es geht los - endlich wieder im Land unserer Träume


Es war einer dieser Momente, die man schlecht in Worte fassen kann. Mit einem kühlen Bierchen in der Hand auf der Terrasse der River Crossing Lodge schweifte unser Blick über das sanft wogende, hügelige Buschland und die goldenen Gräser, die im afrikanischen Licht funkelten. Ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit durchströmte uns. Namibia – es war, als wären wir nie weg gewesen. Ein Ort, der uns gleichzeitig so vertraut und doch jedes Mal aufs Neue beeindruckend vorkam.


Doch wie war unsere Anreise verlaufen? Hier ein kleiner Rückblick:
Der Flug mit Eurowings Discover war so, wie man es sich für Economy wünscht. Planmäßig und mit Essen, das seinen Zweck erfüllte. Aufregung? Fehlanzeige! Und genau das war das Schöne daran. Selbst das befürchtete Umverteilen des Fotoequipments in unsere Fleecejacken und separate Taschen war überflüssig. Es interessierte zum Glück keinen, wie viel Kilo Fotoequipment in unseren Rucksäcken untergebracht waren.

 

Nach einem ausgedehnten Schläfchen in der Nacht, erreichten wir sogar halbwegs ausgeschlafen den Süden Afrikas. Die Ankunft in Windhoek verlief ebenso reibungslos. Unsere Gepäckstücke warteten bereits neben dem Laufband, als hätte sie jemand dort extra platziert und sie mussten nur noch eingesammelt werden.
Doch nicht alles lief wie am Schnürchen. Als wir nach unserem Pick-up Service von Bushlore Ausschau hielten, war niemand zu sehen. Ein Déjà-vu-Moment – erinnerte uns das nicht an die vergangenen Male mit Avis Safari Rentals? Doch dann, nach einem kleinen Toilettengang und einer Runde am Geldautomaten, trafen wir auf Manfred von Bushlore. Nach einigem Hin und Her konnte dann auch das andere Paar abgeholt und eingesammelt werden, deren Gepäck leider nicht mitgekommen war. Die beiden taten uns als Ersttäter und dann gleich noch ohne Gepäck doch ziemlich leid. Respekt, dass sie immer noch guter Laune waren!


Das Bushlore-Büro in Windhoek war besser ausgestattet, als wir es erwartet hatten. Nach dem notwendigen Papierkram und einer detaillierten Einweisung in unseren Camper mit einem Pop-up-Dachzelt – ein Upgrade, um das wir ganz kurzfristig noch gebeten hatten – machten wir uns auf den Weg. Zunächst holten wir uns noch ein Permit für den Namib Naukluft Park beim MET in Windhoeck, bevor es zu unserer Lodge ging.


Die River Crossing Lodge: Ein Ort, den wir bereits während unserer früheren Reisen in unser Herz geschlossen hatten. Dort angekommen, war es Zeit für einen Lunch und ein kühles Windhoek Draught. Und während sich die ersten Vögel blicken ließen, kamen auch unsere Kameras erstmalig zum Einsatz. Nach einem kleinen Mittagsschlaf und dem Genuss der Abendstimmung von drinnen (draußen war es einfach zu kalt), ließen wir den Tag ruhig ausklingen. Ein bisschen Reisebericht schreiben, Fotos sortieren und die Vorfreude auf die nächsten Tage pflegen – so endete unser erster Tag in Namibia.

 

 

 

6.6. - Vom trubeligem Windhoek zur Wüstenidylle der Blutkuppe

 

Die kalte Morgenluft in Windhoek erfüllte unsere Lungen, als wir früh aus unseren Betten krochen. Heute war die Blutkuppe unser Ziel! Aber zuerst stand ein längerer Halt in der Maerua Mall zum Einkaufen an. Obwohl die frische Brise offenbar die meisten Vögel davon abhielt, uns zu besuchen, spürten wir die belebende Wirkung des neuen Tages.


In Windhoek angekommen, strebten wir den offenen Parkplatz der Maerua Mall an, landeten jedoch durch einen kleinen Irrtum in der unteren Parkgarage, die nur wenig Parkplätze für große Autos bot. Doch, wie es das Schicksal wollte, wurde gerade ein Stellplatz frei, als wir ankamen. Nachdem wir ein paar notwendige Utensilien in der Drogerie eingekauft hatten, machten wir uns auf zum Großeinkauf im Checkers. Mit vollen Taschen kehrten wir zu unserem Camper zurück, verstauten alles sorgfältig und setzten unsere Reise zur Blutkuppe fort.


Die malerische Landschaft der C28 entfaltete sich vor uns, eine Straße, die laut unserem Reiseführer zu den am wenigsten befahrenen gehörte – und wir konnten dies nur bestätigen. Wir genossen die trockene und warme Luft und die Stille - weit und breit nichts außer den eigens verursachten Geräuschen - herrlich!
Endlich an der Blutkuppe angekommen, wählten wir einen anderen Stellplatz als zuvor und richteten uns ein. Unser neues Popup-Tent entpuppte sich als wahrer Luxus, mit Innenbeleuchtung und USB-Anschluss – und vor allem superschnell aufzubauen.


Die abendlichen Vorbereitungen zum Grillen begannen, und während wir uns entspannten und dem Knistern des Feuers lauschten, wurden wir unerwartet von einem neugierigen Kapfuchs besucht. Vorsichtig schaute uns das schmächtige Füchslein an, bevor es schnell wieder im Dunkel der Nacht verschwand.

 

 

 

7.6. - Morgenlicht über der Blutkuppe und tierische Gaben


Die Nacht war kälter als erwartet, aber unsere Schlafsäcke hüllten uns gerade noch warm genug ein. Vor den ersten Sonnenstrahlen starteten wir in eine Sonnenaufgangsfototour. Die tolle Landschaft kombiniert mit der vollkommenen Einsamkeit, machte die Blutkuppe immer wieder zu einem besonderen Erlebnis. Wir suchten uns einige Motive und genossen den Sonnenaufgang und die ersten wärmenden Strahlen.

 

 

 

Nach der Tour ließen wir uns nieder für ein ausgiebiges Frühstück, welches sogleich das Interesse einer Gruppe Pale-winged starlings weckte. Hinzu gesellten sich ein paar neugierige Täubchen und ein Vogel, den wir "Mister Schwarzweiß" tauften. Die Vögel ließen sich gern mit ein paar Tomatenstücken und Wasser verwöhnen. Wir waren froh, in dieser herausfordernden Trockenheit etwas für die Tierwelt tun zu können.

 

 

 

Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Einer der Pale winged starlings kam zu Tom und würgte etwas vor uns aus. Bei näherer Betrachtung stellten wir fest, dass es sich um eine Art Frucht oder Samenkapsel handelte. Nachdem der Vogel auch zu mir kam und ein zweites und drittes - was auch immer - hervorwürgte, komplett unbeschädigt und scheinbar bereit zum Verzehr, wurden wir doch nachdenklich. War das etwa ein Geschenk? Eine Art Dankeschön für uns im Gegenzug zu Wasser und Tomate? Wir wussten es nicht, dachten aber noch lange darüber nach.


Nach den gemütlichen Morgenstunden machten wir uns zu Fuß auf den Weg, um die Umgebung der Blutkuppe zu erkunden. Wir kletterten auf den Felsen herum und suchten uns eine Stelle für den Sonnenuntergang. Tom konnte nicht genug bekommen und kletterte noch weiter auf die Blutkuppe. Ich verbrachte die Mittagshitze entspannt im Schatten unserer Campsite und nachdem Tom zurückkehrt war, bereiteten wir uns langsam auf den Abend vor.

 

Während unserer abendlichen Sonnenuntergangsfototour konnten wir einen typischen afrikanischen Sonnenuntergang genießen. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, das perfekte Motiv zu finden, gelang es uns doch, einige schöne Szenen, wie die Perlhühner, die auf den Felsen herumliefen, einzufangen. Auf dem Rückweg begegneten wir einer Schlange, deren Art uns leider unbekannt blieb, da das Bestimmungsfoto misslang.

 

 


Zurück beim Camper ließen wir den Abend bei einem gemütlichen Grillabend ausklingen. Zu unserer Überraschung schaute der neugierige Kapfuchs erneut vorbei. Diesmal war er deutlich weniger scheu. Er schlich behutsam zu unserer für die Tiere errichten Wasserstelle (ein Teller unseres Campinggeschirrs) und nippte einige Male vorsichtig daran. Mehrmals huschte er an uns vorbei, und es schien, als prüfe er die Umgebung auf liegengebliebene Essensreste. Insgesamt verbrachte der kleine Kapfuchs bestimmt 15 Minuten in unserer Nähe, bevor er im Dunkeln verschwand.

Nach so vielen Erlebnissen und Überraschungen schliefen wir zufrieden und dankbar ein.

 

 

8.6. - Abschied von der Blutkuppe und tierische Wächter an der Spitzkoppe


Der Morgen empfing uns erneut mit seiner Kühle und bevorstehenden Dämmerung, und wir waren froh, diese schönen Augenblicke des goldenen Lichts an der Blutkuppe morgens erneut festhalten zu können. Diesmal führte uns unser Weg zu einem anderen Bereich dieses beeindruckenden Felsmassivs und wir machten ausgiebig Fotos.

 

 

 

Das darauffolgende Frühstück wurde, wie gewohnt, von unseren gefiederten Freunden begleitet, die sich über die Reste, die auf den Boden fielen, hermachten. Jetzt war es Zeit, sich langsam aufzumachen. Ein letztes Mal blickten wir über die Blutkuppe, zehrten von den Erinnerungen der letzten Tage und verabschiedeten uns innerlich von dieser zauberhaften Landschaft und ihren tierischen Bewohnern.


Unser nächstes Ziel war die Spitzkoppe. Doch bevor wir dort ankamen, legten wir noch einen kurzen Halt im kühlen Swakopmund ein, um im SuperSpar einige Vorräte zu ergänzen. Die Temperaturen waren hier ziemlich frisch, ein Kontrast zur Wärme, die wir in den letzten Tagen erlebt hatten. Die Fahrt zur Spitzkoppe war recht unspektakulär, und die Beschaffenheit der Gravel Road ließ zu wünschen übrig.


Schließlich erreichten wir die Campsite 13, einen Platz, der uns sehr gefiel, obwohl er morgens keine Sonne bot. Zwei Tage ohne die Zivilisation hinterließen Spuren, daher war die Vorfreude auf eine erfrischende Dusche riesig. Während der heiße Tag langsam in den Abend überging, spürten wir, dass uns heute die Energie für eine weitere Fototour fehlte. Also entschieden wir uns, in Ruhe unser Abendessen vorzubereiten und die schöne Umgebung einfach so auf uns wirken zu lassen.

Neben der Campsite befand sich ein paar Schritte weiter unser Plumpsklo mit Aussicht.

An dem Klo ist an sich nix auszusetzen gewesen, nur hätte man den Eingang vielleicht nicht unbedingt genau so ausrichten müssen, dass das Klo zur Mittagszeit voll in der Sonne stand! So war der Sitz nämlich derart heiß, dass man sich kaum draufsetzen konnte. Naja, ein Bisschen Abenteuer muss ja sein!

 

 

 

Als es langsam dunkel wurde, ertönte plötzlich ein lauter Warnruf, der unsere Aufmerksamkeit auf drei Klipspringer lenkte. Diese kleinen Antilopen standen als dunkle Silhouetten gegen den abendlichen Himmel und starrten gebannt direkt in eine Richtung. Trotz unserer Bemühungen konnten wir nichts Ungewöhnliches mit unseren Stirnlampen entdecken. Dennoch verharrte einer der Klipspringer weiterhin an Ort und Stelle, selbst als wir Stunden später schlafen gingen. Neben einer flinken Genet, die im Unterholz verschwand, war jedenfalls für uns keine Spur von potenziell gefährlichen Tieren zu erkennen.
So oder so - wir ließen uns in einen wohlverdienten Schlaf sinken, während der Klipspringer immer noch an derselben Stelle stand.

 

 

 

9.6. - Sonnenaufgangstour an der Spitzkoppe und Eidechsenrettung im Sand


Noch bevor die ersten Strahlen der Morgensonne den Himmel erleuchteten, hatten wir uns bereits auf die Felsen nördlich unserer Campsite begeben. Trotz der frischen Temperaturen sorgte das Klettern dafür, dass wir uns schnell aufwärmten. Mit der aufsteigenden Sonne, die die Silhouette der Spitzkoppe malerisch in Szene setzte, klickte die Kamera unermüdlich. Das Lichtspiel während des Sonnenaufgangs war einfach schön.

 

 

 

Zurück an der Campsite war es uns trotz der inzwischen fortgeschrittenen Morgenstunden immer noch kalt. Ein heißer Kaffee und warme Kleidung brachten ein wenig zusätzliche Wärme. Das Frühstück mit den üblichen Verdächtigen (Pale-winged starlings und Bulbuls) verlief nicht ganz ohne Zwischenfälle. Zunächst konnten wir in Ruhe einige schöne Portraits von den Vögeln machen. Dann zeigte sich einer der Stare von seiner weniger charmanten Seite. Der Starling-Boss, wie wir ihn tauften – bewachte das Wasser und vertrieb seine Artgenossen bei Annäherung mit herrischem Getue. Eine weitere Überraschung erlebten wir, als wir feststellten, dass unser Toastbrot und die Verpackung etwas angeknabbert waren. Waren das wirklich die Starlings gewesen?

 

 

 

Während unserer auf das Frühstück folgende Erkundungstour wurde es recht schnell warm. Eine Entdeckung ließ uns jedoch in unseren Schritten verharren: eine Eidechse, festgeklemmt im Sand. Mit einem Stock gruben wir behutsam um sie herum. Zu unserer Überraschung entpuppte sich das Loch sozusagen als tiefes Sandgrab, in das das Reptil offenbar von einem Räuber hineingezogen worden war. Nach einiger Arbeit konnten wir die Eidechse befreien, die sich sogleich, mit offenbar noch leicht betäubten Hinterbeinchen in Sicherheit brachte. Dieser kleine Rettungseinsatz stimmte uns fröhlich, und mit einem Gefühl der Zufriedenheit setzten wir unseren Weg fort.

 

 

 

Nach einer ausgedehnten Tour durch die Gegend kehrten wir ermattet und durstig zu unserem Stellplatz zurück. Im Schatten unseres Platzes konnten wir einer Vielzahl von Tieren zusehen: Vögeln, Agamen, Dassies und mehr. Besonders eines der süßen Erdhörnchen, das sich auf einen Felsen setzte und in die Ferne blickte, zog unsere Aufmerksamkeit auf sich und wir beobachten es eine Weile. Drei Klipspringer kletterten geschickt über die Felsen – waren es vielleicht die drei von gestern Abend?

 

 

 

Der Abend verlief entspannt und ohne weitere Vorkommnisse. Wir ließen ihn gemütlich am Feuer ausklingen, wobei die Flammen leise knisterten und wir die Erlebnisse des Tages Revue passieren ließen.

 

LG Heike

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