Norwegens Süden - Teil 3 - Hoch hinaus

Nachdem wir uns im zweiten Teil schon vom Sollifjell aus dem Lysefjord gewidmet haben, geht es jetzt auf die andere Seite und hoch zum Preikestolen, wo Tom eine besondere Überraschung vorbereitet hatte.

 

 

03.06.
Der blöde Fuß tat immer noch weh und war geschwollen und mir war klar, dass das mit der Preikestolen-Wanderung für mich heute nichts werden würde. Also planten wir um und wollten erstmal die Landschaftsroute fahren und schauen, ob es morgen vielleicht wieder gut sein würde. Tom machte mir fachmännisch einen das Gelenk stabilisierenden Verband und das fühlte sich ganz gut an.

Während des Frühstücks ging es auf der Baustelle neben uns richtig rund. Neben uns landete mehrfach ein Hubschrauber, der Arbeiter von der Baustelle mitnahm und irgendwohin brachte. Schon toll, wie präzise man das Teil fliegen und landen kann. War also ein bisschen kostenloses Kino am Morgen. Tom fand heraus, dass es sich um eine Spezialfirma handelte, die Strom- und Telekommunikationsmasten in abgelegenen und schwer zugänglichen Gebieten baute.

 

 

Dann machte sich Tom auf den Weg, um den nahegelegenen Fluss zu fotografieren, denn dieser hatte schöne glatte rote Steine und es sah sehr schön aus. Ein bisschen wehmütig setzte ich mich währenddessen mit meinem lädierten Fuß an den Reisebericht, um diese Zeilen zu verfassen.

 

 

Nachdem Tom wiedergekommen war, fuhren wir zum Coop nach Forsand und kauften ein paar Kleinigkeiten ein. Danach ging es über die Landschaftsroute nach Jørpeland und dort direkt in den Vinmonopolet, um unsere Weinvorräte aufzufüllen. Die Preise waren ungefähr so wie in der Schweiz. Ab ca. 11 Eur bekam man einen trinkbaren Rot- oder Weißwein. Die Bierpreise hatten uns mehr geschockt. Mit den Weinpreisen konnten wir einigermaßen leben.

Nach den Einkäufen fuhren wir zum Campingplatz Tysdal Camping, bekamen für äußerst günstige 250 NOK einen ruhigen Platz mit Blick auf den Strand und See und fühlten uns sogleich richtig wohl.

Es war ruhig, der See plätscherte mit leichten Wellen und die Duschen waren inklusive.

Das bedeutete, nicht nach Schnelligkeit duschen sondern nach Lust und Laune. Tom und ich gingen dann auch nacheinander duschen und genossen es sehr. Den Nachmittag und Abend ließen wir mit einem Filmchen auf dem Ipad und einem Tomatensalat ausklingen.

 

 
Gefahrene Strecke 55 km
Stellplatz Tysdal Camping
GPS N 59.10249° E 006.16420°
Preis 250 NOK
Beschreibung

Sehr hübscher kleiner Campingplatz mit tollen Stellplätzen

direkt am See. Duschen sind inklusive.

 

04.06.
Nachts tat der Fuß richtig weh, aber es lag wohl am Verband, der gestern Abend ein wenig zu eng geraten war. Trotz allem fühlte sich der Fuß noch nicht ok an und tat immer mal wieder weh.

Alles entschädigte aber für den Ausblick aus der Dachluke, der blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein um 6:50 Uhr anzeigte. Raus aus den Federn und gemütlich Kaffee trinken mit Blick auf den See. Was war das? Dort war ein Mittelsäger aufgetaucht, der Tom und seiner Kamera die lange Nase zeigte und sich nicht ablichten ließ.

So, jetzt hatten wir aber noch Zeit bis zum Preikestolen, den wir nachmittags/abends begehen wollten. Wir fuhren ein bisschen in der Gegend rum. Irgendwann entdeckten wir durch Zufall ein Gebiet mit wunderschönen Kaskaden. Ich versuchte erstmal mit meinen normalen Turnschuhen dort zu laufen, aber der Fuß fand das nicht gut. Nachdem ich meine hohen und schweren Wanderschuhe angezogen hatte, ging es langsam. Durch die Unterstützung des Gelenks und des Knöchels fand der Fuß guten Halt und ich fühlte mich wieder etwas sicherer auf den Beinen.

 

So konnte ich vielleicht doch heute den Weg zum Preikestolen wandern, denn ich hatte das Gefühl, dass Tom dieser Tour richtig entgegenfieberte.

Wir fotografierten beide das tolle Gewässer und hatten viel Spaß mit den vielfältigen Motiven und so nahmen wir uns vor, morgen noch einmal wiederzukehren.

 

 

Wir fuhren danach den Weg nach Songesand am Lysefjord. Die Landschaft war einfach gigantisch. Sehr weitläufig und wild und im Sonnenschein mit den schönen Wölkchen am Himmel wirkte es einfach nur megaschön. Am Lysefjord in Songesand hielten wir an und aßen ein paar Brote mit einem sehr schönen Blick über den Fjord. Einfach nur toll mit unserem Camperchen hier in Norwegen. Es war genauso wie wir uns das erträumt hatten. Und heute spielte auch noch das Wetter mit.

Gegen Mittag fuhren wir wieder zurück, hielten noch einmal für Wasser am Kiwi in Jørpeland an und fuhren dann zum Parkplatz für die Preikestolen-Wanderung.

Wie befürchtet war es voll, aber wir bekamen noch einen Platz am Rande des Trubels. Ich möchte gar nicht wissen, was hier in der Hochsaison los ist, wenn schon an einem Dienstag Anfang Juni nachmittags hier alles beinahe voll ist.

 

 

Bei einem Kaffee überlegten wir, dass wir heute kein Risiko wegen meines Fußes eingehen wollen und nicht zum Sonnenuntergang hoch wollten sondern früher. Bei Dunkelheit wollten wir den Weg, den wir nicht kannten, heute nicht runter gehen. Ich war sowieso mal gespannt, was mein Fuß generell zu der Aktion sagen würde.

Gegen 17:30 Uhr wollten wir los und schwätzten noch mit einem Pärchen aus Belgien, die ebenfalls ein CS Reisemobil hatten - einen Indepedent. Sie hatten ihn schon 6 Jahre lang und waren immer noch topzufrieden mit dem Teil. Das bestätigte uns wieder in unserer Entscheidung für unseren Camper.

Jetzt ging es endlich los zum Preikestolen!

Schnell ging es bergauf, anfangs noch auf leicht zu laufendem Untergrund, dann über Steine. Der Weg war allerdings sehr gut geebnet worden, ich passte nur höllisch auf wegen des Fußes und achtete daher mehr auf den Weg als auf die Umgebung. Wir ließen uns Zeit, hielten immer mal wieder an, waren dennoch recht schnell durchgeschwitzt aufgrund der steilen Anstiege und freuten uns, dass uns deutlich mehr Menschen entgegenkamen als welche mit uns liefen. Es ging über Holzbohlen durch kleine Moore und dann über steinige Treppen immer weiter nach oben. Bald gab es schöne Ausblicke zurück.

Mein Fuß blieb glücklicherweise relativ still, die Schuhe gaben sehr guten Halt. Ab und zu meckerten mal die Oberschenkelmuskeln bei den Treppenstufen, aber das gehört dazu.

 

 

Bergauf wurde immer mehr ausgezogen, es wurde einfach zu warm und wir freuten uns über Abschnitte mit weniger Steigung. Die Wanderung machte Spaß, es gab immer wieder schöne Umgebung und Landschaften zu bestaunen und wir kamen höher und höher hinauf. Vorbei an einem See, an dem schon mehrere Zelte standen, kamen die ersten Ausblicke auf den Lysefjord zu sehen. Einfach toll, wenn man von oben darauf schauen kann. Es war zwar kein blauer Himmel mehr und auch kein Sonnenschein zu sehen, aber die Wolken dramatisierten den Blick sogar noch mehr. Nun weiter, es war noch ein kleines Stückchen zu laufen. Immer wieder blieben wir wie alle anderen stehen, um die neuen Ausblicke auf den Fjord zu bestaunen und zu fotografieren. Der Wind pfiff und es wurde wieder frisch und ich zog mir alles an, was ich dabei hatte. Auch um die dickere Jacke war ich froh.

Der Preikestolen kam in Sichtweite und es gab immer wieder Leute, die sich vorne fotografieren ließen. Der Abgrund war schon ordentlich und flößte massiv Respekt ein. Die Kanzel selbst durchläuft beinahe durchgehend ein Riss und es waren Geologen vor Ort, die dort Geräte installierten, eventuell um nachvollziehen zu können, ob oder wie sich der Riss verändert.

Es waren nur noch wenige Menschen da und auch wir machten an diesem einmaligen Ort viele Fotos. Dann suchten wir uns eine windgeschütztere Ecke und aßen hungrig unser mitgebrachtes Käsebrot, an diesem tollen Pausenplatz, in luftiger Höhe mit wunderbarem Ausblick.

 

 

Tja, und dann?

Dann passierte es!

Tom holte auf einmal aus einer separaten Seitentasche von seinem Rucksack ein viereckiges Etwas und legte es mir hin. Es war eine Art leinenbezogene Box, die sich öffnen ließ, drinnen befand sich ein Büchlein. Als ich auf das Cover schaute, ahnte ich schon, wo die Reise hingehen sollte. Es waren zwei Vögelchen in einer Art Hochzeitslook, die sich verliebt ansahen.

 

Ja und dann schaute ich mir das Büchlein an, das lauter tolle Details aus unserem bisherigen gemeinsamen Leben bereithielt und erzählte. Und dann kamen die zwei Seiten mit der Frage, um die sich alles drehte: Magst mich heiraten?

 

"Ja" sagte ich nur und wir waren beide total happy.

 

Tom holte dann tatsächlich auch noch einen Ring aus der Tasche, einen wunderschönen Ring, der mir genau an den Ringfinger passte.

 

Danke mein Schatz für den wundervollen Heiratsantrag an diesem einmaligen Ort! Es war einfach nur perfekt!

 

 

Beseelt von unserem Erlebnis ging es jetzt wieder zurück. Es wurden unzählige weitere Fotos gemacht, wir waren auf unserem Weg abwärts gegen 22:00 Uhr so gut wie alleine und genossen die Umgebung. Der Sonnenuntergang fand hinter den Bergen statt und es verfärbte sich nur wenig rosa. Ursprünglich hatten wir ja vor, den Sonnenuntergang am Preikestolen zu erleben, aber durch meinen kleinen Unfall mit dem Fuß wollten wir den Zeitdruck nicht haben und auch nicht möglicherweise im Dunkeln wieder zurück gehen müssen.

 

So kamen wir gegen 23:00 Uhr an unserem Camper an, der mittlerweile einsam auf dem leeren Platz stand, zahlten bei der Ausfahrt vom Parkplatz die Gebühr von 250 NOK mit EC-Karte und entschieden uns dafür, noch einmal zu dem schönen Tysdal Campingplatz zu fahren. Dort konnten wir auch noch in Ruhe ausgiebig duschen.

 

Gesagt getan und unser Abend endete gegen halb 1 Uhr an unserem Platz mit Blick auf den See mit ein paar Gläsern Wein nach einem denkwürdigen Tag, den wir sicher für immer in Erinnerung behalten werden.

 

 

 

05.06.
Der Camper wackelte aufgrund starken Windes recht heftig und es plätscherte auf die Dachluke. 6:50 Uhr - wir können einfach nicht richtig lange ausschlafen. Aber jetzt hörte es auf zu plätschern, nur noch der Wind pfiff ums Auto. Wir frühstückten, prüften, ob unsere Muskeln und Gelenke alle normalen Bewegungen mitmachen wollten (sie wollten) und planten den Tag.

 

Es sollte zum Folgefonna Nationalpark gehen über die Landschaftsroute E13 und eine Fährfahrt. Bei Park4Night hatten wir uns einen Stellplatz herausgesucht, den wir anpeilten. Aber als erstes wollten wir noch einmal die Kaskaden von gestern ansteuern, was wir dann auch taten. Zum Glück war der Wind zwar recht heftig, aber noch so, dass sich längere Belichtungen verwirklichen ließen und wir tobten uns dort ein paar Stunden aus.

 

Gegen 11:40 Uhr verließen wir das tolle Gebiet, um weiter zu fahren. Kurze Zeit später sahen wir einen Coop und beschlossen, dort unsere Einkäufe zu tätigen. Ein paar Sachen landeten im Korb und wir waren 90 EUR los. Das ging hier wirklich recht schnell 😉

 

 

Nun weiter auf der R13. Eine wahnsinnig schöne und eindrucksvolle Strecke wartete auf uns. Vorbei an Fjorden, Bergen und tollen Ausblicken genossen wir die Fahrt, auch wenn diese nicht ganz unanstrengend war. Einfach mal vor sich hin fahren funktioniert nicht. Man muss immer aufpassen auf den engen Straßen, ob ein LKW oder Camper entgegenkommt und man ausweichen muss. Da es auch keine Standstreifen gibt und es direkt neben der Fahrbahn auch mal gern steil einen halben Meter runter geht, muss man auch höllisch aufpassen, dass man nicht zu weit rechts fährt.

 

Aber die Landschaft entschädigt für alles! Einfach nur schön diese Mixtur aus Fels und Wasser, meist schroff, aber manchmal auch lieblich. An jeder Ecke ein Wasserfall, einer schöner und größer als der andere und die Augen können sich nicht sattsehen an diesen visuellen Köstlichkeiten. Jede Einzelne dieser landschaftlichen Schönheiten würde bei uns einen Massenauflauf verursachen. Kein Wunder, dass Norwegen bei uns Deutschen so beliebt ist. Es gibt wilde Natur in Massen und sie ist so ungezähmt, dass es teilweise keine Infrastruktur gibt. Sowieso staunen wir immer wieder über die Tunnel in den Bergen und über die Strommasten, die jeden Berg und Fjord überwinden. Die Norweger müssen Experten im Tunnelbau sein.

So vergehen die Stunden, wir machen auf einem Parkplatz mit Blick auf einen der vielen Seen halt, die Temperatur begibt sich auf 20,5 Grad und wir fühlen den Sommer und die Leichtigkeit auf unserer Haut.

 

 

Jetzt lassen sich immer wieder auch noch teilweise Schneebedeckte Berge sehen und wir durchfahren Odda und sind von der Stadt und ihrer Lage recht begeistert. Es geht durch einen sehr langen Tunnel durch den Folgefonna Nationalpark auf die andere Seite. Dort finden wir einen schönen Stellplatz für die Nacht und bleiben an einem Parkplatz an einem See mit Toiletten stehen. Es sind angenehme Temperaturen und wir holen die Stühle raus und trinken unser erstes Bierchen draußen. Nun freuen wir uns auf die Nudeln, die wir machen wollen.

Die Nudelpackung wollte nicht ganz so wie wir und schwupps hatten sich beinahe alle trockenen Nudeln im Camper verteilt. Aber der Rest klappte wunderbar und die Nudeln kamen lecker und heiß auf den Tisch.

Zwischendurch kamen noch andere Camper und stellten sich auf den Platz. Das coole war, dass wir in den Toiletten auch das Waschbecken gut zum Spülen benutzen konnten und somit die öligen Reste der Sauce nicht in unsere Schläuche kamen.

 

 
Gefahrene Strecke 191 km
Stellplatz Parkplatz
GPS N 60.15953° E 006.29555°
Preis Kostenlos
Beschreibung

Asphaltierter Parkplatz mit toller sauberer Toilette

und Waschbecken.

So geht der dritte Abschnitt unserer Reise zu Ende und im vierten Teil geht es auf zu tollen Tälern mit wilden Flüssen und rauschenden Wasserfällen.

 

LG

Heike

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Kommentare: 4
  • #1

    Silvia (Samstag, 06 Juli 2019 19:21)

    Liebe Heike, Lieber Tom,
    gratuliere euch zu eurem trautem Glück. So schööön romantisch.
    Und die Landschaft auf eurer Reise wird ja immer spektakulärer. Eine traumhafte Route.

    Liebe Grüße
    Silvia

  • #2

    Julia (Dienstag, 09 Juli 2019)

    Oooooooooooooooooooooooooh ihr beiden!!!!!!

    Wie ich mich freuuuuuueeeeeee :-)))))))))))))

    Eine schöne gemeinsame Zukunft wünsche ich euch!

    Alles Liebe,
    Julia

  • #3

    Julia (Dienstag, 09 Juli 2019 14:27)

    Ach so - die Bilder sind auch schön.

    Fast vergessen ;-)

  • #4

    Tom (Dienstag, 09 Juli 2019 16:20)

    Hihi,

    sehr schön, vielen Dank, wir freuen uns auch und die Zukunft sieht sehr schön aus :-)
    Freut uns natürlich, dass Dir auch die Bilder gefallen ;-D

    Liebe Grüße,
    Tom