Unterwegs im Westen Kanadas - Teil 4 - Traumhafte Tage in Kananaskis und Banff

Nachdem es im 3. Teil unseres Reiseberichts schon langsam bergig wurde, erwarten uns jetzt wirklich wunderbare Gebirgslandschaften. Komm mit auf eine Reise nach Kananaskis und Banff.

 

 

14.09.

Der Wecker klingelt früh, denn wir wollen zum Sonnenaufgang am Wedge Pond, einem See in der Nähe sein. Es ist saukalt und wir ziehen uns dementsprechend ordentlich warm an. Nach ca. zehn Minuten Fahrt kommen wir an. Es sind schon andere Fotografen dort, die bereits fleißig am Hantieren sind. Wir suchen uns also einen schönen Platz und bauen unsere Stative auf. Einige der anderen Fotografen stellen sich als Asiaten heraus, die ziemlich hektisch in der Gegend herumrennen. Einer rempelt fast mein Stativ mein Vorbeigehen an und ab diesem Zeitpunkt habe ich ein Auge immer auf die Nachbarn gerichtet. Dafür ist uns unser Fotokram einfach zu lieb und teuer, um ihn durch Unachtsamkeit anderer kaputt machen zu lassen.

 

Und es passiert so, wie wir es schon haben kommen sehen. Nach einigen Minuten der Hektik und Hantiererei fällt dem einen Fotografen sein Stativ mit Kamera in den See - unter großem Gelächter seiner Kumpels. Tom und ich schauen uns mit hochgezogenen Brauen an. Offenbar hat er Glück gehabt, denn nachdem er seine Sonnenblende lachend ausgeleert hat, fotografiert er munter weiter. Jetzt passen wir erst recht auf wie die Schießhunde, denn diese Leute sind wirklich total schräg und konfus drauf. Wir sind froh und atmen auf, als die Truppe endlich ihre Sachen packt und verschwindet.

 

 

Erst genießen wir ein wenig die nunmehr eintretende Stille und dann packen auch wir so langsam ein und fahren zum Frühstücken zurück zur Lodge. Dort wartet ein leckeres Continental Frühstück auf uns. Also theoretisch. Wir warten ziemlich lange und irgendwann kommt unser Essen. Ein Minicroissant, vier Ecken Toast, abgepackte Marmelade, Butter und ein Ministückchen. Es schmeckt alles so naja. Mein Toast ist größtenteils schwarz angebrannt - irgendwie sind wir nicht ganz so happy mit dem Frühstücksangebot hier. Normalerweise hätte man dafür 17 Dollar zahlen sollen - darüber hätten wir uns richtig geärgert. Da wir es als Upgrade erhalten haben, ist es umsonst und somit natürlich auch ok. 

 

Nach dem Frühstück nehmen wir den 20 Minutes Trail von der Lodge aus. Es ist wieder ein wunderschöner Tag, die Sonne lacht, ein paar Wölkchen sind am blauen Himmel und es wird schon langsam warm. Wir haben tolle Ausblicke auf die Umgebung und zwischendurch lassen sich noch ausgiebig Eichhörnchen fotografieren. Die Birken leuchten in ihren Herbstfarben und wir genießen die schöne Landschaft mit Ausblick auf die Berge. Der 20 Minutes Trail lässt sich für Fotografen deshalb auch mal locker auf 1,5 Stunden ausdehnen 😉Zwischendurch treffen wir noch nette Leute, mit denen wir uns unterhalten. Ein Angestellter erzählt uns, dass es hier vor einigen Jahren eine große Flut gab, die großen Schaden angerichtet hat.  

 

 

Nach dem Trail packen wir unser Zeug ins Auto und fahren zu den Kananaskis Lakes. Es gibt den Lower und den Upper Lake und wir wollen uns beide ansehen. Beim Upper Lake setzen wir uns auf ein paar Steine am Ufer, essen etwas und folgen danach dem Trail. Immer wieder gibt es sehr schöne Ausblicke auf den See und die Berge drumherum.

 

 

Auch der Wald mit seinen Moosen und Flechten hat einiges zu bieten. Wir laufen längere Zeit und überlegen, den Sonnenuntergang auf der anderen Seite fotografieren. Durch einen Campground geht es an das andere Ufer. Dort warten wir. Allerdings dauert es immer noch etwas bis zum Sonnenuntergang und wir gehen langsam am Ufer entlang zurück Richtung Auto. Der Sonnenuntergang ist nicht sehr spektakulär,  aber die Berge werden ein wenig rötlich und es ist einfach eine schöne Atmosphäre.

 

 

Und es wird bitterkalt. Tom holt deshalb schnell das Auto vom Upper Lake und wir machen uns auf den Rückweg. Ich sehe etwas am Wegesrand, was sich bewegt und sage nur kurz: "Da ist etwas. Ein Elch!! Nein, es ist ein Bär!" Unser erster Bär steht gemütlich auf und schlendert die Straße entlang. Unserer Ansicht nach dürfte es sich beim dem Tier mit dem Buckel und dem hellen Fell auf dem Rücken um einen Grizzly handeln. Da er ziemlich klein erscheint, nehmen wir an, dass es sich um ein jüngeres Tier handelt. Fotos sind allerdings keine Option, da es schon richtig dunkel ist. Aber das Erlebnis zählt 😊 Wir schalten das Warnblinklicht ein und begleiten den Bär langsam die Straße entlang. Er überquert die Straße und wir hoffen, dass jetzt hier kein schnelles Auto angerast kommt. Als uns einige Minuten später Autos überholen, nimmt der Bär die Beine in die Pfoten und düst ab in den Wald. Wir fahren sehr zufrieden zurück zur Lodge und trinken noch ein Bierchen auf unseren wieder anstrengenden, aber sehr schönen Tag. 

 

15.09.

Heute schlafen wir aus, waschen Wäsche, schreiben am Reisebericht und fahren mittags los zum Two Jack Lake und zum Lake Minnewanka. Der Two Jack Lake gefällt uns nicht so besonders, dafür fotografieren wir am Lake Minnewanka ausgiebiger. Überall gibt es Warnungen vor den Wölfen, die zum Teil offenbar unnatürliches Verhalten zeigen und sich unerschrocken gegenüber den Menschen geben. Es ist wieder Superwetter, ein paar Wölkchen sind am Himmel. 

 

 

Danach fahren wir zum Lake Louise und sind geplättet von den Massen an Touristen, Fotos lohnen sich am Nachmittag kaum, da der See im kompletten Gegenlicht liegt. Wir fahren weiter zum Moraine Lake. Tom bleibt am Anfang und klettert für bessere Blicke auf einen Felshang, ohne zu wissen, dass auch ein bequemer Weg dorthin führt (Ist dann halt unter Training zu verbuchen). Ich gehe den Weg unten am See entlang, es sind allerdings sehr viele Leute unterwegs. Trotzdem ist dies ein genialer Ort. Der See leuchtet in seinen schönen Farben und die tolle Bergkulisse gibt ihr Übriges.

 

 

Nachdem Tom und ich uns wieder treffen, beschließen wir zum Sonnenaufgang hierherzukommen, da der Sonnenuntergang fotografisch nicht so viel zu bieten hat. Wir treten danach den Rückweg an und kommen erst spät bei der Lodge an. Hier packen wir unser Zeug soweit möglich und verstauen dieses bereits im Auto. Dann heißt es Wecker auf 4 Uhr stellen und ab ins Bett.

 

16.09.

Der Wecker bimmelt - draußen ist es stockdüster. Ich schaue auf die Uhr und komme mir vor wie im falschen Film. 4.58 Uhr zeigt diese an. 4.58 Uhr?? Wir wollten doch um 4 Uhr geweckt werden? Ich wecke Tom mit den Worten: Tom!! Es ist schon 5 Uhr!! Wir schauen uns an und merken, dass mein Handy noch die alte Zeitzone von British Columbia anzeigt. So ein Mist! Schnell stehen wir auf, trinken noch einen Kaffee im Stehen und um 5.20 Uhr geht es los zum Moraine Lake. Tom fährt deutlich schneller als erlaubt und so holen wir noch ein paar Minuten raus. Zum Glück habe ich keine Ahnung, was hier passiert, wenn man 25 kmh zu schnell ist. Ich will es auch gar nicht wissen. Jedenfalls werden wir von niemandem angehalten und erreichen um 7 Uhr Moraine Lake. Dort sind schon etliche Fotografen unterwegs, aber wir finden auf den Felsen noch einen guten Platz mit Blick auf See, Berge und Spiegelung und fotografieren los. Neben uns hat ein junger Kerl seine Schiene für Zeitraffer aufgebaut und wir kommen ins Gespräch. Er reist bereits seit einem Jahr durch die Welt und hat jetzt noch zwei Monate vor sich. Was für ein Traum. Aber wir sind jetzt hier und dürfen hier an einem der schönsten Orte Kanadas bei bestem Wetter fotografieren. Beschweren können wir uns nun wirklich nicht!

 

Immer wieder laufen uns Fotografen ins Bild, denen das entweder völlig egal ist, ob sie uns stören oder die einfach nicht nachdenken. Zum Glück haben wir meistens nach ein paar Minuten wieder freie Sicht. Der Sonnenaufgang selbst ist relativ unspektakulär, die Bergspitzen werden kurz in leicht rötliches Licht getaucht, danach ist alles schon wieder vorbei.

 

 

Wir warten noch ein bisschen, aber so viel tut sich jetzt nicht mehr. Dann fahren wir weiter zum Lake Louise Village, frühstücken dort etwas und machen uns fertig, um den Plain of Six Glaciers-Trail zu laufen. Insgesamt sind es knapp 15 km vom Lake Louise aus und etwas über 600 Höhenmeter. Der Trail geht erst am See entlang und danach in die Höhe. Die Ausblicke auf die umliegenden Berge und Gletscher sind wunderschön, auch wenn der Aufstieg nicht ohne ist und uns schnaufen und schwitzen lässt. Zudem wird es auch immer wärmer und irgendwann laufe ich nur noch im T-Shirt den Berg hoch.

 

 

Nach über 5 km bergauf erreichen wir das Teehouse, eine sehr hübsche Holzhütte, an der man etwas essen und trinken kann. Wir essen dort eine Suppe und ein paar Tortilla Chips mit Salsa. Beides superlecker. Zwischendurch hört man das Krachen von Gletschereis, das sich löst und in die Tiefe stürzt. Beeindruckend, welche Töne das von sich gibt. 

 

 

Kurz hinter dem Teehouse entdecken wir ein Golden mantled ground squirrel (Goldmantelziesel) das sich auf den Felsen vergnügt. Es lässt sich in aller Ruhe ablichten, während es von einer Stelle zur nächsten hüpft.

 

 

Der Weg ist immernoch ziemlich steil und anstrengend. Zudem wird er immer enger und führt zum Teil direkt an der Bergkante entlang. Nach 1,3 km erreicht man den Aussichtspunkt mit Blick auf den Gletscher. Unerschrockene können dann noch ein Stück weiter steil den Berg hoch auf Schotter und einen noch besseren Blick auf den Gletscher werfen. Tom und ich laufen den Weg noch etwas weiter und haben einen wirklich einzigartigen Blick auf die Gletscher und die Bergwelt. Wunderschön!

 

 

Beim Heruntergehen muss man extrem aufpassen, um auf dem Schotter nicht ins Rutschen zu geraten. Es st nicht ganz ungefährlich, da man wenn man tatsächlich ins Rutschen käme, wahrscheinlich durch nichts aufgehalten würde.

 

Auf dem Rückweg werden wir von einem Pärchen auf eine Mountain goat (Bergziege) aufmerksam gemacht, die weiter oben auf einem Abhang liegt und wiederkäut. Wir sind begeistert! Eine Mountain goat wollte ich sehr gerne sehen, seitdem ich Connnor Stefanisons Bilder gesehen hatte und jetzt liegt dort eine. Links daneben entdecken wir noch ein Junges mit kleinen Hörnchen. Man haben wir ein Glück! Wir beschließen, den Hang ein Stückchen hochzuklettern, um einen besseren Blick auf die Tiere zu bekommen. Der Hang ist sehr steil und es ist schwierig, weiter nach oben zu kommen, aber es geht. Wir machen fleissig Bilder und freuen uns.

 

 

Dann geht es wieder abwärts und auf dem Trail nach unten. Wir haben jetzt immer wieder Blick auf den See im kompletten Licht. Der Trail ist wirklich absolut genial und nur empfehlenswert. Auch wenn die Knochen danach weh tun - das ist es definitiv wert.

 

 

Am Ende kommen wir kaputt aber glücklich am Lake Louise an und fahren weiter zu unserer Lodge an den Sunwapta falls. Wir kommen kurz vorm Dunkelwerden an, checken ein und bekommen unser Zimmer zugeteilt. Ich gehe danach erstmal in die Badewanne um die müden Muskeln zu entspannen. Nach Salat und Bierchen schlafen wir tief und fest bis zum nächsten Morgen.

 

LG

Heike

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